
© Dirk Letsch
(Version française ci-dessous)
• Wie ist das Proyecto EVOCA entstanden, und was hat Sie und die anderen Sängerinnen ursprünglich rund um die mittelalterliche Musik und ihre vokalen Praktiken zusammengeführt?
Das Projekt heisst EVOCA, nicht nur wegen der Evokation einer Praxis, eines Klangs und der Musik vergangener Zeiten, sondern auch aufgrund des Akronyms «Exploración de la Vocalidad y la Oralidad del Canto Antiguo» (auf Deutsch: «Projekt zur Erforschung der Vokalität und Oralität des Alten Gesangs»). Das Projekt entstand 2020 aus meinem Bedürfnis heraus, mittelalterliche Repertoires über die mündliche Tradition zu erschliessen, wie ich es seit mehr als einem Jahrzehnt an meiner Schule und anderswo tue – zunächst allerdings immer mit denselben Personen und mit dem Ziel, eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Verständnis für die behandelte Musik zu entwickeln.
Ich habe drei grossartige Sängerinnen, vor allem aber drei grossartige Freundinnen, zu diesem Abenteuer eingeladen: zwei ehemalige Schülerinnen meiner Schule, Amparo Maiques und Èlia Casanova, sowie meine Kollegin aus dem Ensemble Cantaderas, Ana Arnaz. Alle drei verfügen über grosse Erfahrung und ein besonderes Gespür für modale Musik. Sie sind sehr motiviert, mit mündlicher Überlieferung zu arbeiten – etwas, das wir bereits mehrfach gemeinsam praktiziert hatten – und hatten grosse Lust, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.
Mit einem solchen Team und so viel Begeisterung begannen wir im Februar 2021 mit der Arbeit. Seitdem treffen wir uns alle drei Monate zu dreitägigen bis fünftägigen Arbeitsphasen, denn Oralität und Gedächtnis sind Prozesse, die Zeit brauchen. Und wir bereuen es nicht, denn dieses Abenteuer zu viert macht uns glücklicher.
• Sie haben Ihre musikalische Laufbahn als Pianistin und später als Oboistin begonnen, bevor Sie sich dem Gesang und der Alten Musik zuwandten. Wie erleben Sie heute die Verbindungen zwischen klassischer Musik und Alter Musik? Existieren diese beiden Welten noch in Ihrem eigenen musikalischen Leben nebeneinander?
Leider nicht in meiner eigenen musikalischen Praxis. Es bereitet mir schon Unbehagen, ein Klavier zu öffnen, und die arme Oboe schweigt seit 20 Jahren… Auch die Stimmungssysteme und musikalischen Grammatiken unterscheiden sich so stark von denen der Musik, mit der ich heute arbeite. Natürlich höre ich weiterhin alle möglichen Arten von Musik, aber ich beschäftige mich praktisch nur mit Repertoires vor 1450 sowie mit Liedern aus lebendigen mündlichen Traditionen oder solchen, die bis vor weniger als einem Jahrhundert lebendig waren und hauptsächlich von der Iberischen Halbinsel stammen (letztere mit dem Ensemble Cantaderas). Gelegentlich beschäftige ich mich auch mit zeitgenössischer Musik, die für meine Stimme oder die Ensembles, mit denen ich singe, komponiert wurde.
Gibt es Verbindungen zwischen klassischer Musik und Alter Musik? Natürlich. Unterschiedlich ist manchmal die Art und Weise, wie wir uns heute diesen Repertoires nähern. In der Alten Musik gibt es noch Raum für eine Praxis, die Kreativität und ein tiefes Verständnis der Musik voraussetzt, um nicht schriftlich überlieferte Praktiken zu rekonstruieren. In der klassischen Ausbildung ist dies teilweise verloren gegangen: Man hält sich an das Geschriebene, an dessen Lektüre und Entschlüsselung, ohne sich allzu sehr mit den Grenzen der Partitur und der Notwendigkeit auseinanderzusetzen, sie zu ergänzen. Es ist, als ob die Komposition im Laufe der Zeit an Autorität gewonnen hätte und der Handlungsspielraum der Interpret:innen kleiner geworden wäre.
Deshalb interessiere ich mich heute stärker für lebendige mündliche Traditionen als für die westliche klassische Musik. Ob ich nun mit Sänger:innen und Instrumentalist:innen aus diesen Traditionen zusammenarbeite oder sie einlade, an meiner Schule zu unterrichten – ich versuche, immer tiefer in diese Traditionen einzutauchen und mich ihnen anzunähern.
• Sie haben auch Ihre eigene Schule gegründet. Wie sieht Ihr pädagogischer Ansatz aus, und was sollen Ihre Schüler:innen aus der gemeinsamen Arbeit mit Ihnen mitnehmen? Gibt es Projekte oder Ideen, die für Ihre Art zu unterrichten eine besondere Bedeutung haben?
Während meiner Ausbildung hatte ich Zugang zu zahlreichen Repertoires und verschiedenen Notationssystemen. Uns wurde beigebracht, daraus Klang entstehen zu lassen. Ich hatte grosses Glück mit all meinen Lehrer:innen – oder besser gesagt mit denjenigen, die ich selbst gesucht und denen ich gefolgt bin, denn fast alle befanden sich ausserhalb Spaniens. Später hatte ich das Glück, mit Kolleg:innen zu singen, die an meiner Seite gelernt hatten und deshalb Musik auf dieselbe Weise verstanden wie ich. Die Emotion, die ich beim gemeinsamen Singen mit ihnen und auch beim Singen allein empfand, wollte ich meinen Schüler:innen vermitteln, als ich begann zu unterrichten.
Ich dachte mir: «Wer beim Singen dieser Musik das Gefühl bekommt, dass ihm Flügel wachsen, wird den Wunsch haben, sich auf den langen Weg zu begeben, der zu ihrer Entdeckung und ihrem Verständnis führt.» Doch ich hatte zehn Jahre Studium und Kolleg:innen mit einer ähnlichen Ausbildung gebraucht, um die Quellen auf jene Weise entschlüsseln zu können, die mir dieses Gefühl verliehen hatte. Wie also konnte ich dies unmittelbarer vermitteln?
Ich begann, die Musik mündlich weiterzugeben, um die Dauer dieses Prozesses zu verkürzen. Erst danach erklärte ich die Notationen, Traktate und so weiter. Aber die Emotion war bereits erlebt worden, und mit ihr war auch der Wunsch zu lernen erwacht. Ich wollte – und möchte es noch immer –, dass Menschen die Schönheit dieser Repertoires durch ihre praktische Erfahrung erleben können, ohne erst so viele Jahre studieren zu müssen, bevor sie sie geniessen können.
Aus diesem etwas ungewöhnlichen Zugang entwickelte sich meine Beschäftigung mit der mündlichen Vermittlung, und ich konnte ihre Kraft und ihre Vorzüge verstehen. Seither erforsche ich das Phänomen der Oralität in jedem Unterricht an meiner Schule in Madrid, der «Escuela de Música Medieval y de Tradición Oral», die ich 2016 innerhalb der Institución Libre de Enseñanza gegründet habe, sowie im Rahmen des Projekts EVOCA. Die Verschmelzung der Stimmen, das Gefühl der Einheit innerhalb der Gruppe und die gemeinsam erlebte Emotion sind bei jeder Unterrichtseinheit präsent.
Die Quellen vermitteln uns nur ein begrenztes Bild der Repertoires, die sie überliefern. Wir müssen die Praktiken der damaligen Zeit so gut wie möglich kennen, um zu versuchen, die Lücken zu füllen, die sie hinterlassen. Die musikalische Praxis im Mittelalter war jedoch hauptsächlich mündlich. Was meine Schule neu anbietet, ist deshalb die Erforschung dieses so wirkungsvollen Kanals, um sich der mittelalterlichen Musik anzunähern.
• Ein zentraler Aspekt von EVOCA ist die Verbindung zwischen Oralität, Gedächtnis und musikalischer Überlieferung. Was kann uns ein Zugang zur mittelalterlichen Musik lehren, der auf Stimme und mündlicher Überlieferung beruht und nicht allein auf der geschriebenen Partitur?
Puh, so vieles… Wo soll ich anfangen? Zunächst zwingt es uns dazu, Gedächtnisressourcen zu entwickeln, die wir zuvor nicht hatten. Dazu gehören auch präzisere und bewusstere Werkzeuge für die melodische, modale und kontrapunktische Analyse.
Darüber hinaus erfordert es ein tiefes Verständnis des Textes: nicht nur seiner Aussprache und wörtlichen Bedeutung, sondern auch seiner Syntax, seiner symbolischen Bedeutung und der Etymologie der Wörter. Dieses Verständnis muss bei allen Interpretinnen gemeinsam sein. Dasselbe gilt für das gemeinsame Verständnis von Klängen, vokalen Gesten, den Bewegungen einer Melodie und den Klangfarben innerhalb dieser Bewegungen und in den einzelnen Modi.
Oralität ermöglicht ein ständiges Weiterwachsen, denn das Geschriebene ist nicht mehr der Bezugspunkt, und das Sehen spielt keine Rolle mehr. Um sich an Klänge zu erinnern oder sie wieder hervorzubringen, muss man sie im Gehör und im Körper suchen, aber auch in der Analyse und im erlernten Text, um sie während des Lernprozesses tiefer zu verinnerlichen oder später aus dem Gedächtnis wieder abzurufen. Das ist faszinierend, und ich glaube nicht, dass es hier Grenzen gibt.
Seitdem entdecke ich immer wieder neue Verbindungen zwischen Klängen, Modi, Intervallen und musikalischer Grammatik – und all das gemeinsam mit anderen. Ich habe die vorherige Frage damit noch nicht vollständig beantwortet, also tue ich es jetzt: Was ich mir wünsche, dass Menschen aus dem gemeinsamen Musizieren mit mir mitnehmen, sind vor allem die Freude und die Emotion bei der Interpretation dieser Repertoires. Darüber hinaus, die musikalische Komposition, die Notationen usw. der mittelalterlichen Repertoires besser zu verstehen, sowie die konkrete Erfahrung der Kraft und Universalität der Oralität. Denn wenn wir Musik über diesen Kanal praktizieren, kommen wir nicht nur theoretisch, sondern auch in Bezug auf die klanglichen Ergebnisse den heute noch lebendigen Musikkulturen näher, die – weit entfernt von unserer eigenen – nicht auf Schriftlichkeit beruhen.
• In Ihrem Workshop bei TEXTUR werden Sie mit den Teilnehmer:innen an der mündlichen Überlieferung mehrerer Gesänge aus dem Codex Calixtinus arbeiten. Was erwartet sie, und was möchten Sie ihnen durch diese Erfahrung vermitteln?
Während dieses Workshops werden wir vor allem Stücke aus diesem wunderbaren Manuskript über die mündliche Tradition singen. Gleichzeitig werden wir die Gründe entdecken, die seiner Entstehung zugrunde lagen, die angewandten Kompositionsmethoden und seine Notation. Ausserdem werden wir untersuchen, wie sich in dieser Quelle aus dem 12. Jahrhundert Spuren einer jahrhundertealten mündlichen Tradition finden lassen.
• Nach Jahren der Forschung, des Unterrichtens und der praktischen Auseinandersetzung mit Alter Musik: Was fasziniert Sie nach wie vor an diesem Repertoire?
Seine unbeschreibliche, unbestreitbare und zutiefst bewegende Schönheit – eine Schönheit, die manchmal sogar verstörend wirken kann.
• Und was macht Ihrer Meinung nach die mittelalterliche Musik für das heutige Publikum noch relevant und bedeutungsvoll?
Ihre Wahrhaftigkeit. Die Kraft ihres reinen und aufrichtigen Wesens, das keine künstlichen Mittel benötigt. Ihre Schönheit, die uns berührt und uns an die Tiefe des Menschseins erinnert und uns wieder mit unserer menschlichen Natur verbindet■
— Français: —
Entretien avec Paloma Gutiérrez del Arroyo
• Comment est né le Proyecto EVOCA, et qu’est-ce qui vous a initialement réunies, vous et les autres chanteuses, autour de la musique médiévale et de ses pratiques vocales?
Le projet s’appelle EVOCA, non seulement par l’évocation d’une pratique, d’un son, des musiques d’autrefois… mais aussi en raison de l’acronyme «Exploración de la Vocalidad y la Oralidad del Canto Antiguo» (en français: Projet d’Exploration de la Vocalité et de l’Oralité du Chant Ancien). Ainsi, ce projet est né en 2020 de ma nécessité d’aborder les répertoires médiévaux à travers la tradition orale, comme je le fais depuis plus d’une décennie dans mon école et ailleurs, bien qu’avec toujours les mêmes personnes, en essayant de créer un langage et une compréhension communs des musiques abordées.
J’ai lancé le défi à trois grandes chanteuses, mais, surtout à trois grandes amies: deux anciennes élèves de l’école, Amparo Maiques et Èlia Casanova, ainsi qu’une collègue de l’ensemble Cantaderas, Ana Arnaz. Toutes trois sont très expérimentées et douées dans les musiques modales, elles sont très motivées par le travail oral — que nous avions déjà partagé à de nombreuses reprises — et elles avaient hâte de se prêter au jeu de l’aventure dans laquelle nous allions nous embarquer.
Avec une telle équipe et tant d’enthousiasme, nous avons commencé à travailler en février 2021, lors de sessions de 3 à 5 jours tous les trois mois, car… l’oralité et la mémoire… sont des processus qui s’inscrivent dans la durée… Et nous ne le regrettons pas, car cette aventure à quatre nous rend plus heureuses.
• Vous avez commencé votre parcours musical comme pianiste, puis comme hautboïste, avant de vous tourner vers le chant et les musiques anciennes. Comment percevez-vous aujourd’hui les liens entre la musique classique et les musiques anciennes? Ces deux univers coexistent-ils encore dans votre propre vie musicale?
Hélas, non, ils ne coexistent pas dans ma pratique. Ça me trouble d’ouvrir un piano, et le hautbois, le pauvre, il est en silence depuis 20 ans… Puis, les tempéraments et les grammaires sont tellement différents à tous ceux des musiques que je pratique aujourd’hui… Je continue à écouter tous types de musiques, bien sûr, mais je ne pratique que des répertoires avant 1450, puis, des chants de traditions orales encore vivantes, ou vivantes jusqu’à il y a moins d’un siècle, provenant principalement de la péninsule Ibérique (ces dernières avec l’ensemble Cantaderas), et parfois, quelques musiques contemporaines qui sont proposées à ma voix ou aux ensembles avec qui je chante. Y a-t-il des liens entre la musique classique et la musique ancienne? Bien sûr que oui. C’est la façon de les aborder aujourd’hui qui parfois est différente. Dans la musique ancienne encore il y a un espace pour une pratique qui appelle à la créativité et à la connaissance profonde de la musique pour reconstruire des pratiques non écrites. Dans les études classiques cela est un peu perdu, et on s’accroche à l’écrit, à sa lecture ou décodification… sans trop se questionner sur la limitation de la partition et le besoin de la compléter. C’est comme si, avec le temps, la composition gagnait en autorité et la marge de manouvre de l’interprète était réduite.
C’est pourquoi, aujourd’hui, je m’intéresse davantage aux traditions orales vivantes qu’à la musique classique occidentale et, que ce soit en collaborant avec des chanteurs et des instrumentistes issus de ces traditions ou en les invitant à donner des cours dans mon école, j’essaie de m’en imprégner et de m’en rapprocher de plus en plus.
• Vous avez également fondé votre propre école. Quelle est votre approche de l’enseignement, et qu’aimeriez-vous que vos élèves retirent de leur expérience à vos côtés? Y a-t-il des projets ou des idées qui occupent une place particulière dans votre manière d’enseigner?
Dans mes études j’ai eu accès à beaucoup de répertoires, de notations… On nous a appris à sortir du son de tout cela… J’ai eu beaucoup de chance avec tous et toutes les enseignants/es que j’ai eu/es (ou plutôt, ceux que j’ai recherchés ou suivis… car presque tous se trouvaient hors d’Espagne). Plus tard, j’ai eu la chance de chanter avec des camarades qui avaient appris à mes côtés, et qui, par conséquent, comprenaient la musique de la même manière que moi. L’émotion que je ressentais en chantant avec eux, et seule, était ce que je voulais faire sentir à mes élèves le jour où j’ai commencé à donner des cours. Je me disais: «Celui ou celle qui sentira que des ailes lui poussent en chantant ces musiques aura envie de s’engager sur le long chemin qui mène à leur découverte et à leur compréhension». Mais il m’avait fallu dix ans d’étude et des camarades ayant suivi une formation similaire pour parvenir à décoder les sources de la manière qui m’avait fait sortir des ailes… alors, comment partager cela plus immédiatement? J’ai commencé à transmettre la musique oralement, dans le but de raccourcir la durée du processus. Ensuite, j’expliquais les notations, les traités… mais l’émotion avait déjà été vécue, et, avec elle, le désir d’apprendre s’était éveillé. Je souhaitais (et je le souhaite toujours) que le monde puisse ressentir la beauté de ces répertoires à travers leur pratique, mais sans avoir à passer par tant d’années d’étude avant de la goûter.
C’est de cette matière un peu tangentielle que je suis parvenue à la transmission orale et que j’ai pu comprendre sa force et ses vertus. Depuis, j’explore le phénomène de l’oralité dans chaque cours de l’école à Madrid (la «Escuela de Música Medieval y de Tradición Oral», que j’ai fondée en 2016 au sein de l’Institución Libre de Enseñanza) et avec le Projet EVOCA; la fusion des voix, le sentiment d’unité du groupe dans un même élan, et l’émotion partagée sont au rendez-vous à chaque séance.
Les sources ne donnent qu’une image limitée des répertoires qu’elles codifient. Nous devons connaître au mieux les pratiques de l’époque pour tenter de combler les lacunes qu’elles laissent. Or, la pratique musicale au Moyen Âge était principalement orale. Ce que mon école propose de nouveau, c’est l’exploration de ce canal, si puissant, pour aborder les musiques médiévales.
• Un aspect central d’EVOCA est la relation entre oralité, mémoire et transmission musicale. Que peut nous apprendre une approche de la musique médiévale fondée sur la voix et la transmission orale, plutôt que sur la seule partition écrite?
Ouf, tellement de choses… Par où commencer ? Déjà, cela nous oblige à développer des recours de mémoire que nous n’avions pas auparavant… et cela inclut des outils d’analyse mélodique, modale et contrapuntique plus précis et plus conscients. De plus, cela exige une compréhension approfondie du texte, c’est-à-dire: non seulement de la prononciation et du sens littéral, mais aussi de sa syntaxe, de sa signification symbolique, de l’étymologie des mots… qui doit être commune à toutes les interprètes. Il en va de même pour la compréhension commune des sons, des gestes vocaux, des mouvements d’une mélodie, des couleurs des sons dans ces mouvements, et dans chaque mode… L’oralité propose une croissance constante, car l’écrit n’est plus la référence, la vue n’intervient plus, et pour se souvenir des sons ou pour les reproduire, il faut aller les chercher dans l’oreille, dans le corps, puis aussi dans l’analyse et dans le texte appris, afin d’approfondir leur assimilation au moment de les recevoir ou pour faire face à l’acte de les récupérer de la mémoire. C’est passionnant, et je ne pense pas qu’il y ait de limites…
Du coup, depuis, j’approfondis et retrouve des nouvelles connexions entre les sons, les modes, les intervalles, la grammaire musicale… et tout cela, en communauté. Je n’ai pas complètement répondu à la question précédente, je le fais donc maintenant: ce que j’espère que les personnes retirent de faire la musique à mes côtés c’est, avant tout, la joie et l’émotion en interprétant ces répertoires; puis, non seulement l’envie de mieux comprendre la composition musicale, les notations, etc. des répertoires médiévaux, mais aussi de vivre une expérience concrète de la puissance de l’oralité et de son universalité, car le fait de pratiquer la musique par ce canal nous rapproche, non seulement en théorie, mais aussi au niveau des résultats sonores, des cultures musicales encore vivantes qui, loin de la nôtre, ne reposent pas sur l’écriture.
• Lors de votre workshop à TEXTUR, vous travaillerez avec les participant·es sur la transmission orale de plusieurs chants du Codex Calixtinus. À quoi peuvent-ils s’attendre et qu’aimeriez-vous qu’ils découvrent à travers cette expérience?
Tout au long de cet atelier, nous chanterons, principalement par tradition orale, des pièces tirées de ce magnifique manuscrit et nous découvrirons les raisons qui ont présidé à sa conception, les méthodes de composition suivies, sa notation, ainsi que la manière dont on peut trouver, dans cette source du XIIe siècle, des traces d’une tradition orale vieille de plusieurs siècles.
• Après des années de recherche, d’enseignement et de pratique des musiques anciennes, qu’est-ce qui continue à vous fasciner dans ce répertoire?
Sa beauté indescriptible, indéniable et si émouvante qu’elle en devient parfois troublante.
• Et selon vous, qu’est-ce qui rend la musique médiévale encore pertinente et porteuse de sens pour le public d’aujourd’hui?
Sa vérité. La force de sa nature pure et sincère, qui n’a pas besoin d’artifices. Sa beauté, qui nous émeut et nous rappelle la profondeur de l’être humain, qui nous reconnecte à notre condition humaine■