Paloma y Manuel

© Dirk Letsch

«Am Samstag 10. September 2022 startete in der St. Margarethenkirche das neue Festival TEXTUR, Alte Musik in neuen Kombinationen. Nach einer didaktisch fesselnden Einführung durch die Musikwissenschaftlerin Marie Verstraete erzählte das französische a capella Frauenensemble «Les Élancées» in mittelalterlichen Liedern auf Lateinisch, Altfranzösisch und Okzitanisch vom Ungehorsam («Désobéissances») in all seinen Formen, von biblischen bis hoch erotischen Themen. Die makellose Stimmführung der Einzelstimmen war ausgebaut mit Wärme und Tiefe im Timbre, die Phrasierung natürlich, die Diktion klar. Jede Sängerin hatte ihren eigenen Stimmcharakter, und dennoch leuchtete im Unisono eine tiefgründige Homogenität. Mit drei eingestreuten freien Improvisationen gelang es «Les Élancées», die Jahrhunderte im Nu zu überbrücken und den Zuhörer in eine mittelalterlich inspirierte, modern und unverbraucht wirkende Gegenwartsmusik zu holen.

Mit den Liedern des Troubadours Bernart de Ventadorn entfesselte die spanische Sängerin Paloma Gutiérrez del Arroyo zusammen mit dem Spezialisten für frühe Harfen, Manuel Vilas, ein Feuerwerk aus «joi» und «amor», Lebensfreude und Liebe. Die zarten und intensiven Liebes- und Leidenslieder gingen unter die Haut. Das ganze Spektrum der Gefühle deckte die helle und fein ziselierte Stimme von Paloma Gutiérrez del Arroyo virtuos ab, wobei auch Witz und Schalk nicht zu kurz kamen. Erstaunlich die Virtuosität, mit welcher Manuel Vilas mit seiner aus Bildern mittelalterlicher Codices rekonstruierten Harfe die Sängerin begleitete. Seine perlenden Saitenklänge umschmeichelten die Gesangsstimme perfekt und tänzelten gekonnt im Auf und Ab der Gefühle mit.

Das junge Festival TEXTUR hat eine musikalische Brücke geschlagen: Die Jahrhunderte tiefen Wurzeln unserer abendländischen Musik wurden uns gegenwärtig gemacht durch kreative Interpretationen.»

Philipp Tschopp