Programm

Basel
11. November 2022

Freitag, 11. November 2022

20:30

Begegnungskonzert

„Textures“

Ensemble RESONEZ & Katom Quintett
Mittelaltermusik und Jazz
Kooperation mit dem bird’s eye jazz club

Dauer: 2 Stunden mit Pause
Ort: the bird’s eye jazz club, Basel
CHF 12.- pro Set; ermässigt CHF 8.- pro Set (2 Sets)

Als Höhepunkt und Abschluss des diesjährigen Festivals begegnen sich das in Mittelaltermusik spezialisierte Ensemble RESONEZ und das Jazzquintett Katom. Sie gestalten im bird’s eye, Basels renommiertem Jazzclub, ein gemeinsames Konzertprogramm. Offenheit und Neugierde ist das, was sie jenseits des Stils verbindet. Mal einzeln, mal kombiniert lassen sie ihre Klangwelten aufeinander wirken. Dabei dem Element der Verbindung nachzuspüren, der Urfaser sozusagen der Musik, ist das Ziel von „Textures“, ist der Sinn des TEXTUR Festivals.

Veranstaltung der Reihe Spiegelungen IV / Interactions, einer Veranstaltungsreihe des bird’s eye jazz club und der Institute Klassik / sonic space basel, Jazz und Schola Cantorum Basiliensis der Hochschule für Musik FHNW

Ensemble RESONEZ

© P. Oehlers

Ensemble RESONEZ

Angélique Greuter, Gesang
Ann Allen, Douçaine, Blockflöten und Gesang
Filipa Meneses, Fidel (in Vertretung von Marie Verstraete)

Die Blockflötistin und Fidelspielerin Marie Verstraete und die Sängerin Angélique Greuter lernten sich 2011 bei einem Mittelalterkurs von Benjamin Bagby und Marc Lewon in Belgien kennen und entwickeln seitdem gemeinsam Konzertprogramme. Ann Allen studierte an der Schola Cantorum in Basel Barockoboe und Schalmei, bevor sie sich ebenfalls dem Gesang zuwandte. Mit ihr wurde das Ensemble 2021 zum Trio. Sich abstützend auf historische Recherchen – sie transkribieren die Originalhandschriften gewöhnlich selbst – beziehen die Musikerinnen auch ihre eigenen künstlerischen Persönlichkeiten und Erfahrungen mit ein, um dem heutigen Ohr die Musik aus früheren Jahrhunderten zugänglich zu machen. Das Ergebnis ist eine lebendige mittelalterliche Musik, die für heutige Zuhörer:innen überraschend schön, spannend und mitreissend wirkt. Ihre ausdrucksstarke Interpretation wird getragen durch hohe Musikalität und technische Meisterschaft. Als leidenschaftliche Sprecherinnen lieben es die Künstlerinnen, das Publikum mit ihrer szenischen Präsenz auf eine Reise mitzunehmen, bei der Musik und Text im harmonischen Wechsel stehen.
Nebst Auftritten in romanischen und gotischen Kirchen (Kartäuserkirche Basel, Wehrkirche St Arbogast in Muttenz, Collégiale von St Ursanne, Romanische Kirche von Kleinhöchstetten) spielte das Ensemble ebenfalls in der renommierten Sammlung mittelalterlicher Textilien der Abegg-Stiftung im Kanton Bern.

Katom

© A. Ventling

Katom

Nadav Erlich, Bass
Francesca Gaza, Voice
James McClure, Trumpet
Martín Theurillat, Guitar
Jordi Pallarés, Drums

Das Quintett Katom kommt aus allen Ecken der Welt, aus Spanien, Chile, Italien, Israel und Südafrika, und hat sich 2019 in Basel, Schweiz, getroffen. Wir haben mit der Zusammenarbeit an unseren Eigenkompositionen begonnen und loteten auf der Suche nach unserer eigenen musikalischen Ästhetik Grenzen aus. Jedes Mitglied des Quintetts ist Komponist:in und Bandleader, und da wir uns durch Gespräche und Musikgeschmack zueinander hingezogen fühlten, beschlossen wir, jeweils einige Originalkompositionen füreinander zu schreiben und mit Liebe zum Detail einzustudieren.
Stimme und Trompete werden als instrumentale Texturen und prominente zentrale Elemente verwendet, die zwischen folkigen Melodien und forcierten Dissonanzen schweben – Schlagzeug und Bass verankern die elegant dargebotenen ätherischen Gitarrenlinien, die verschiedene Schichten miteinander verflechten und die feine Linie zwischen Improvisation und Komposition verschwimmen lassen. Die typischen Rollen der einzelnen Instrumente werden zeitweise aufgegeben und lassen Raum für eine persönlichere und überraschende musikalische Richtung, die sich ständig weiterentwickelt.
Derzeit arbeitet das Quintett an seinem Debüt-Album, welches 2022 veröffentlicht werden wird.

„Die fünf Bandmitglieder, die aus allen Ecken der Welt kommen, erzeugen mit ihrer intensiven, kreativen Musik eine knisternde Spannung. Eine manchmal grandiose Verschmelzung von Stimme und Trompete, eine stupende Kombination von Jazz mit sorgfältig komponierten Passagen und viel glamouröser Improvisation kennzeichnen dieses besondere, schöne und sphärische musikalische Universum. Der Sound ist in einer fließenden Entwicklung zu hören und verbreitet Aufbruchstimmung, während die Instrumente mit Verve aus ihren üblichen Rollen befreit werden. Ein faszinierendes Erlebnis!“
Steff Rohrbach, Review eines Konzerts im bird’s eye jazz club




Vergangene Veranstaltungen

Sonntag, 11. September 2022

11:15

Freiluftkonzert

„schWebende Klänge über Basel“

Ensemble Alta Bellezza
Musik aus dem 15. Jahrhundert, gespielt auf historischen Blasinstrumenten

Dauer: 45 Min.
Ort: Hof des Musikmuseums (bei Regen im 1. OG des Museums)
Kollekte (Richtpreis CHF 15.-), Reservation erwünscht

Ensemble Alta Bellezza

© S. Koçak

Alta Bellezza Musik des Mittelalters und der Renaissance
Ann Allen, Schalmei, Hanna Geisel, Schalmei und Gaita, Nathanael Wood, Zugtrompete und Proto-Posaune

Die Faszination für den Klang der Alta Capella mit ihrer perfekten Resonanz der reinen Quinten brachte das internationale Ensemble Alta Bellezza zusammen.
Die drei Musikerinnen und Musiker lernten sich in ihren Studien an der renommierten Schola Cantorum Basiliensis kennen, und die dort erworbenen Kenntnisse im Spiel historischer Blasinstrumente ermöglichen dem Ensemble, neue Horizonte der Aufführung der Musik des Mittelalters und der Renaissance zu erkunden.
Heute verwenden wir den Namen Alta Capella für die lauten Bläserensembles des Mittelalters und der Renaissance mit Schalmei, Pommer und Zugtrompete, sowie später auch Dulzianen, Zinken und Posaunen.
Die Alta Capella spielte eine zentrale Rolle in der Gesellschaft: jeder Monarch, Fürst oder freie Stadt beschäftigte eine solche Gruppe, um Musik und Unterhaltung bereitzustellen für alle Arten gesellschaftlicher Anlässe oder zum Tanz.
Der Fokus von Alta Bellezza liegt im Repertoire des 14., 15. und frühen 16. Jahrhunderts, dem Zeitraum der grössten Verbreitung des gewissermassen „klassischen“ Trios der Alta Capella.

„schWebende Klänge über Basel“

Alta Bellezza präsentiert einen Klangteppich aus dem 15. Jahrhundert, in dem sich Liebeslieder von Binchois mit anonymen Tänzen und geistlichen Motetten von Dufay verflechten. Eine reiche Klangwelt aus Schalmeien, Zugtrompeten und Dudelsäcken wird das Ende der mittelalterlichen Ära in eine neue Renaissance überführen.
Das Programm wurde direkt aus den Manuskripten geprobt und wird auswendig aufgeführt.

http://altabellezza.com

14:00

Workshop

„Klänge auf Pergament geschrieben“

Stimmliche Entdeckung der frühen Musiknotationen aus dem Mittelalter
Leitung: Paloma Gutiérrez del Arroyo

Dauer: 75 Min.
Ort: Musikmuseum Basel (Roter Saal)
CHF 20.-/15.- ermässigt ¦ unter 16 Jahre gratis

Ein geselliger Moment, um zusammen zu singen und die Schönheit alter Handschriften zu bestaunen

Unter der Anleitung von Paloma Gutiérrez del Arroyo lernen die Teilnehmer:innen ein oder zwei Lieder aus dem Mittelalter. Wie in der damaligen Zeit findet dies in Form von mündlicher Übermittlung statt, erst am Ende wird auch das Manuskript hinzugezogen, so dass sich zur sinnlichen Erfahrung des Lernens über das Ohr auch die Freude des Auges gesellt, denn die musikalischen Aufzeichnungen waren in der Zeit oft kunstvoll ausgeführt und reich verziert.
Kurssprachen: französisch, englisch, Hände und Augen.

Paloma Gutiérrez del Arroyo

© R. Guantes

Paloma Gutiérrez del Arroyo hat eine klassische Klavier- und Oboenausbildung und eine Ausbildung in Alter Musik, die sie schon als Kind begonnen hat und die sie dazu brachte, Gesang zu studieren, erst in Madrid, dann in Paris und an der Schola Cantorum in Basel. Sie spezialisierte sich auf mittelalterliche Musik bei den wichtigen Interpret:innen und Forscher:innen des mittelalterlichen Repertoires an europäischen Institutionen wie der Universität Paris Sorbonne, wo sie einen doppelten Master erhielt (Interpretation und Forschung).
Seit 2011 ist sie als Dozentin für mittelalterliches Repertoire tätig und hat Kurse über die Interpretation des mittelalterlichen Repertoires in Spanien, in Frankreich und in Italien gegeben, sowohl für fachkundiges wie für ungeübtes Publikum, für Erwachsene und Jugendliche. Zuletzt arbeitete sie mit Radio Clásica (des spanischen Nationalradios RNE) zusammen und produzierte zwei Programme mit acht Kapiteln, die sich mit der Stimme im Mittelalter befassten.
2016 gründete sie die Escuela de Música Medieval y de Tradición Oral in Madrid, die sich der Lehre mittelalterlicher und mündlicher Repertoires widmet, die noch heute lebendig sind.

16:00

Führung durch das Musikmuseum

„Renaissance-Instrumente live“

Schalmei, Pommer & Co führen durch die Sammlung
Mit Hanna Geisel vom Ensemble Alta Bellezza
Kooperation mit dem Historischen Museum Basel

Dauer: 1 Stunde
Ort: Musikmuseum Basel
CHF 5.- plus Museumseintritt

Ein Museumsrundgang zeigt Kontinuität und Brüche in der Entwicklung der Instrumente und ihrer Musik.

Die Multi-Instrumentalistin Hanna Geisel führt mit ihrem besonderen Blick als Spezialistin für Musik des Mittelalters, der Renaissance und der Barockzeit durch die Sammlung. Mit im Gepäck sind eine Reihe von Blasinstrumenten, darunter Schalmei, Pommer und barocke Oboen. Begleitet von live Musik wird anhand der Exponate sowohl fortlaufenden Entwicklungen im Instrumentenbau nachgegangen, als auch Phänomenen, die in ihrer Zeit komplett neu waren.

Hanna Geisel

© Sarah Souza Simon

Hanna Geisel

Ursprünglich aus der Nähe von Darmstadt ist Hanna Spezialistin für historische Doppelrohrblattinstrumente.
Seit Abschluss ihres Studiums der modernen Oboen gilt ihr Hauptinteresse sowohl den barocken und klassischen Oboen als auch früheren Instrumenten wie Pommer und Schalmei.
Zusätzlich beschäftigt sie sich mit Perkussion, Dudelsack und Blockflöten.
Ihr Studium der Alten Musik an der Schola Cantorum Basiliensis schloss sie im Jahr 2012 mit dem MA of Arts ab.
Als vielseitige Musikerin ist Hanna regelmässig bei Konzerten, Opern- und CD-Produktionen in Deutschland, der Schweiz, Italien, Frankreich, England, den Niederlanden, Estland, Polen und der Ukraine beteiligt. So spielte sie in zahlreichen Barockorchestern wie z.B. dem Freiburger Barockorchester, La Cetra (Basel), L’Arpa Festante, La Stagione Frankfurt oder bei den Bachkantaten in der Basler Predigerkirche, sowie mit Mittelalter- und Renaissanceensembles wie cantar lontano (Ancona), I Fedeli (Basel) oder Les Haulz et les Bas (Freiburg).
Hanna ist Mitbegründerin der Ensembles Mandragora, Syrinx, Vento Poetico und Alta Bellezza.
An der Städtischen Musikschule Müllheim und als private Instrumentallehrerin engagiert sie sich für den musikalischen Nachwuchs.

Der Eintrittspreis wird direkt vor Ort ans Musikmuseum entrichtet (Museumsticket + 5 Fr. für die Führung). Eine Voranmeldung per Mail ist bis zum 8. September möglich unter reservation@avlaa.ch.

17:30

Podiumsgespräch

„Von der Handschrift zur Interpretation : Kontext, Text und Textur in der Mittelaltermusik“

Mit Benjamin Bagby, Marie Verstraete, Ann Allen
Moderation: Angélique Greuter

Dauer: 90 Min.
Ort: the bird’s eye jazz club, Basel
Eintritt frei, Reservation erwünscht

bird’s eye jazz club, Basel

the bird’s eye jazz club, Basel

Viel mehr als im Bereich der klassischen Musik geht es bei der Mittelaltermusik darum, zu recherchieren und neue Wege zu probieren. Die überlieferten Quellen sind im Vergleich zu späteren Notationen wenig präzise und lassen viel Spielraum bei der Ausführung. Die Wahl der Instrumente, das Tempo, die Nuancen, um einige der wichtigsten Aspekte zu nennen, sind dem Geschmack und der Kreativität der Interpret:innen überlassen. Diese Freiheit, gekoppelt mit wissenschaftlichem Forschergeist, führt in der Szene der Alten Musik zu einer grossen Vielfalt von Ansätzen für eine zeitgemässe Interpretation.

Benjamin Bagby gehört zu den Pionieren in der Mittelaltermusik. Er hat durch die Tragweite seiner künstlerischen Tätigkeit Generationen von Sänger:innen und Instrumentalist:innen inspiriert. Als diesjähriger Ehrengast des Festivals gibt er in dieser Podiumsdiskussion den geladenen Musikerinnen Gelegenheit, mit ihm über mögliche Vorgehensweisen auszutauschen, wenn es darum geht, jahrhundertealte Musik direkt aus den Manuskripten zu spielen und zu singen. Dem Publikum gibt dies einen Einblick in den kreativen Prozess, der zur Interpretation führt, und ein besseres Verständnis dafür, was die Einmaligkeit der beim Festival anwesenden Ensembles ausmacht.




Samstag, 10. September 2022

15:30

Vortrag

Einführung zum anschliessenden Konzert

Marie Verstraete, Musikwissenschaftlerin

Dauer: 15 Min.
Ort: St. Margarethenkirche, Binningen
Eintritt frei für Konzertbesucher:innen

In einem kurzen Vortrag führt die Musikwissenschaftlerin Marie Verstraete in das Konzert des Ensemble Les Elancées ein.

Marie Verstraete Portrait

© G. Verstraete

Marie Verstraete

Die gebürtige Belgierin Marie Verstraete spezialisiert sich sowohl als Musikerin (sie spielt Blockflöte, mittelalterliche Fidel und Renaissancegambe) als auch als Musikwissenschaftlerin auf die Aufführungspraxis der alten Musik, besonders der Musik des Mittelalters und der Renaissance. 2009 absolvierte sie ihr Masterstudium in Blockflöte (Konzert- und Pädagogikdiplom) bei Bart Spanhove, Bart Coen und Koen Dieltiens am Lemmensinstituut in Löwen, Belgien. In Trossingen (Deutschland) absolvierte sie 2010 einen Master of Music in der Musik des Mittelalters und der Renaissance bei Kees Boeke mit Blockflöte und Fidel. 2012 schloss sie ausserdem einen Master of Arts in Musikwissenschaft mit Auszeichnung ab und absolvierte einen Minor in Viola da Gamba bei Lorenz Duftschmid. 2014-2017 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Schola Cantorum Basiliensis tätig. Aktuell arbeitet sie von Basel aus als begeisterte Musikpädagogin für Jung und Alt, in der Schweiz wie bei internationalen Musikfestivals. Sie konzertiert regelmässig in ganz Europa mit Ensembles wie Isabella (FR/CH), Il Nostromo del Sogno (BE), Mon cuer mon ame (CH/DE), laReverdie (IT), La Fonte Musica (IT), Les Riches Heures (CH), Officium (DE), L’estro armonico (DE) und Armonico Tributo Austria. Sie ist zudem Mitbegründerin des Basler Ensemble RESONEZ.

16:00

Konzert

„Désobéissances“

Ensemble Les Elancées
A-cappella-Mittelaltergesang und freie Improvisation

Dauer: 75 Min.
Ort: St. Margarethenkirche, Binningen
CHF 25.-/20.- ermässigt ¦ Tageskarte: CHF 40.-/30.- ermässigt ¦ unter 16 Jahre gratis

Les Elancées

© F. Delacourt

Les Elancées

Anne-Charlotte Beligné, Angélique Greuter, Esther Labourdette, Sarah Richards
Vier facettenreiche Stimmen, vier sich ergänzende Persönlichkeiten, vier beherzte, grosszügige Musikerinnen. Kontrastierend mit dem mittelalterlichen Gesang, den sie mit Leidenschaft verfechten, integrieren die Sängerinnen des französischen Vokalquartetts freie Improvisationen in ihr Repertoire aus dem 12.-13. Jahrhundert. Aus ihren gebündelten Inspirationen entstehen einzigartige und flüchtige Werke des Augenblicks, die durch ihre Sinnlichkeit das Publikums in ihren Bann ziehen.

„Désobéissances – Ungehorsamkeiten“

Wem, aber vor allem wozu sind wir verpflichtet? Wie können wir nach unserer persönlichen Vorstellung leben, ohne gegen Regeln oder gar Gesetze zu verstossen?

Die Texte der Lieder handeln vom Sündenfall Adams, von der Rückkehr des verlorenen Sohnes, von einer Nonne, die aus ihrem Kloster flieht, um mit einem prächtigen Ritter ihr Leben zu leben. Was wird die Jungfrau Maria ihr bei ihrer Rückkehr Jahre später wohl sagen? Eine Alba, ein Morgenlied in okzitanischer Sprache, lässt eine verheiratete Frau und einen Wächter Zwiesprache halten; er verspricht, sie vor Anbruch des Tages zu warnen, damit sie rechtzeitig die Arme ihres liebsten Geliebten verlässt. Wer trägt die Schuld, wenn wahre Liebe sich verbergen muss? Und wie sieht es mit den zahlreichen Singreigen des kirchlichen Repertoires des 13. Jahrhunderts aus? Wie wurden sie in der Kirche getanzt?

In ihrem neuen Programm werfen Les Elancées all diese Fragen auf und wagen einige Antworten. Die grossen Formen der mittelalterlichen Musik – Gregorianik, Motetten, Conducti, Cantigas, Lieder von Trouvères und Troubadours – wechseln sich mit spontanen Vokalkompositionen ab.

18:00

Konzert

„Chantador de joi d’amor“

Paloma Gutiérrez del Arroyo und Manuel Vilas
Lieder des Troubadours Bernart de Ventadorn, begleitet auf historischen Harfen

Dauer: 1 Stunde
Ort: St. Margarethenkirche, Binningen
CHF 25.-/20.- ermässigt ¦ Tageskarte: CHF 40.-/30.- ermässigt ¦ unter 16 Jahre gratis

Paloma Gutiérrez del Arroyo und Manuel Vilas

© Festival de Música Antigua de Granada

Bernart de Ventadorn, ein aus dem französischen Limousin stammender Trobador aus dem 12. Jahrhundert, ist einer der grössten lyrischen Dichter aller Zeiten. Komponist und Verfasser von Liebesgedichten in okzitanischer Sprache hat er die joi in das Zentrum seiner cansos gestellt.

Der Gesang von Paloma Gutiérrez del Arroyo folgt der notierten Melodie, aber bei jeder Strophe passt sich diese Melodie dem Text je nach Richtung und jeweiligen Akzenten unterschiedlich an. Die Harfe von Manuel Vilas begleitet die Stimme, indem sie diese „umhüllt“ und sich unter anderem von der grossartigen Bildsprache des Textes inspirieren lässt. Mit Geneviève Brunel-Lobrichon von der Universität Paris-Sorbonne haben die beiden Interpreten Verständnis, Drucklegung und Aussprache des Textes erarbeitet. Die Spezialistin für okzitanische Dichtung öffnete ihnen die Augen für die Schönheit und Einzigartigkeit von Bernarts poetischem Schaffen. Sie äussert sich darüber folgendermassen:
„Diese Dichtung sagt Ja zum Leben, mit dem Begriff joi (Freude), welcher noch häufiger vorkommt als amor (Liebe). Und die joi hat die konventionellen Strukturen der Feudalgesellschaft hinweggefegt. Bernart de Ventadorn und seine gelehrten Zeitgenossen, die sowohl bibelfest waren als auch Kenner von Ovids „Liebeskunst“, schrieben, dass die Liebe eine überwältigende Macht darstellt, die in der Lage ist, das schutzlose Individuum zu besiegen, so, als ob es plötzlich von Krankheit oder Wahnsinn hinweggerafft würde. Um den Gefühlssturm auszudrücken, der ihn ergriffen hatte, erfand Bernart eine neue Bildsprache, die sich in den sechs cansos dieses Programms manifestiert: Ein Fisch, der am Haken hängen bleibt und überhaupt nicht versteht, was ihm da widerfährt … Der in der Glut der Liebe umgekommene Dichter, der zu einem im Wind herum wirbelnden Blatt wird, vor Furcht bebend beim Anblick seiner Dame … Diebe können ihn davontragen; wenn er an seine Dame denkt, merkt er nichts anderes mehr, und wenn er angeschrien wird, hört er es nicht!“

Paloma Gutiérrez del Arroyo ist Sängerin und Psalterspielerin. Seit seiner Gründung im Jahr 2015 ist sie Teil des Ensembles Cantaderas, das sich der traditionellen spanischen Musik und einigen mit ihr verbundenen Repertoires der Alten Musik widmet. Vor kurzem gründete sie das Projekt EVOCA (Experimentación de la Vocalidad y la Oralidad del Canto Antiguo), das die Erforschung der mündlichen Tradition in den mittelalterlichen Praxisformen des monodischen und polyphonen Gesangs zum Ziel hat und 2021 und 2022 eine Künstlerresidenz in der Aula de Música de l’Universidad de Alcalá de Henares innehat.
Sie tritt auch im Duo mit dem Multiinstrumentalisten Bill Cooley, dem Harfenisten Manuel Vilas und mit den Sängerinnen Catherine Schroeder und Élodie Mourot auf und arbeitet zusammen mit spanischen, französischen und italienischen Ensembles und Projekten: Ars Combinatoria, Malandança, Rosace, Contrafacta, La compagnie Orion, Le jardin des délices, Dialogos, La Frottola und La Reverdie. Sie hat als Musikerin ebenfalls im Theater gearbeitet mit der spanischen Gruppe Los hedonistas und der französischen Gruppe Théâtre 5 sowie im Duo mit der Schauspielerin Carole Visconti. Sie hat mit „Sponsus“, einem Oratorium des Komponisten Sasha Zamler-Carhart (Toulouse 2012), einen Abstecher in das zeitgenössische Repertoire unternommen.

Manuel Vilas ist in Santiago de Compostela (Spanien) geboren, er spielt frühe Harfen (vom 12. bis 18. Jahrhundert) und tritt mit Soloprogrammen auf, die sich auf Musik des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks konzentrieren. Im Jahr 2008 gründete er das Ensemble Ars Atlantica und ist künstlerischer Leiter des Aufnahmeprojekts des Guerra-Manuskripts, einem spanischen Manuskript aus dem 17. Jahrhundert, das er seit Jahren studiert.
Als Spezialist für italienische, portugiesische und spanische Musik für Harfe und Gesang hat er u.a. mit folgenden Sänger:innen konzertiert: Roberta Invernizzi, Marta Infante, Maria Jonas, Raquel Andueza, Juan Sancho, Paloma Gutiérrez del Arroyo, Yeztabel Arias, Guillemette Laurens, Olalla Alemán, Monica Piccinini, Felix Rienth, Isabel Monar. Er hat mehr als 60 CDs aufgenommen und hat verschiedene Preise für Alte Musik für seine Forschung und seine Aufführungen erhalten. Er ist auch ein Pionier bei der Erforschung bestimmter, heute völlig vergessener Harfen wie der Chiquitana (Bolivien, 18. Jh.) und der aragonischen Harfen (14. Jh.).

Festival Konzept

Binninger Anzeiger

Bericht über das Festival TEXTUR

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